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Tina Mandel
Dr. Tina Mandel
17. Juli 2023
Mann putzt sich die Zähne, am oberen Zahnfleischrand ist frisches Blut zu sehen

Zahnfleischbluten: 5 Wege, es zu stoppen

5
min Lesezeit
Zahn-Hacks

Medizinisch geprüft von Dr. Tina Mandel, Fachzahnärztin für Oralchirurgie Stand: 9. September 2026

Kurz gesagtGesundes Zahnfleisch blutet nicht. Die häufigste Ursache ist eine Zahnfleischentzündung durch Zahnbelag. Fünf Wege: gründlicher putzen und die blutende Stelle nicht auslassen, mit dem Rauchen aufhören, Vitamin K essen, mit 3-prozentigem Wasserstoffperoxid spülen und eine kühle Kompresse aufdrücken. Bleibt es nach 7 bis 10 Tagen, zum Zahnarzt.

Inhalt dieses Artikels
  1. Zahnfleischbluten ist NICHT normal
  2. Das steckt hinter Zahnfleischbluten
  3. Zahnfleischentzündung oder Parodontitis? So erkennst du den Unterschied
  4. Gingivitis: die Zahnfleischentzündung
  5. Parodontitis: die Zahnbettentzündung
  6. Was tun bei Zahnfleischbluten? 5 Wege, es selbst zu stoppen
  7. Welche Zahnpasta und Zahnbürste bei Zahnfleischbluten?
  8. Achtung! Wann du unbedingt zum Arzt gehen solltest
  9. Häufige Fragen
  10. Quellen

Zahnfleischbluten ist NICHT normal

Du putzt dir die Zähne, spülst deinen Mund aus, das Waschbecken ist rot, du erschrickst! 😱 Oder du tust es mit einem Schulterzucken ab, da dir das öfters passiert, ganz nach dem Motto "mein Zahnfleisch ist halt empfindlich". 🤔 Aber lass dir gesagt sein: Gesundes Zahnfleisch blutet nicht! Wenn dein Zahnfleisch blutet, vor allem, wenn es regelmäßig ist, weist das auf ein zugrunde liegendes Problem hin.

Welche Erkrankungen Zahnfleischbluten auslösen können, was du dagegen tun kannst und wann du zum Arzt gehen solltest, verrate ich dir in diesem Artikel.

Das steckt hinter Zahnfleischbluten

Zahnfleisch-Entzündungen: Die häufigste Ursache von Zahnfleischbluten ist tatsächlich eine Zahnfleisch-Entzündung. Ein gesundes Zahnfleisch blutet nicht einfach bei Berührung. Wenn dein Zahnfleisch entzündet ist, fängt es dahingegen bei der leichtesten Berührung sofort an zu bluten! Dies ist sogar bei Zahnärzten eine offizielle Methode, um eine Entzündung festzustellen: "Bleeding-on-Probing", zu Deutsch "Bluten bei Berührung".

Kaputte Ränder deines Zahnersatzes: Eine dauerhafte mechanische Reizung des Zahnfleisches kann es auch zum Bluten bringen. Meist ist dies bei falsch sitzenden Rändern von Zahnfüllungen oder Zahnersatz (wie zum Beispiel Kronen) der Fall. Piercings im Mundbereich können auch dein Zahnfleisch dauerhaft reizen.

Schwangerschaft: Das Zahnfleisch von Schwangeren blutet häufiger. Das liegt zum einen daran, dass das weibliche Hormon Progesteron das Gewebe stärker durchbluten lässt. Zum anderen leiden schwangere Frauen häufiger unter Zahnfleischentzündungen. Studien zeigen sogar, dass 30 bis 100% der Schwangeren Zahnfleischentzündungen haben! So ganz ist der Grund dafür noch nicht geklärt. Es wird aber angenommen, dass der Anstieg der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron das Vorkommen von schlechten Bakterien im Mund begünstigen. Außerdem setzen die weiblichen Hormone die Immunabwehr hinab. Alles zum Thema Mundkrankheiten bei Schwangeren steht übrigens in diesem Artikel.

Erkrankungen des Blutsystems: Wenn du eine Erkrankung hast, bei der deine Blutgerinnung nicht mehr richtig funktioniert, kann sich das in Form von Zahnfleischbluten bemerkbar machen. Das können zum einem Blutgerinnungs-Störungen sein (besser bekannt als "Bluter-Krankheit") oder bösartige Erkrankungen wie Blutkrebs. Aber keine Sorge: Das ist sehr selten und die wahrscheinlichere Ursache sind Zahnfleischentzündungen oder -Reizungen!

Vitamin K-Mangel: Vitamin K ist ein wichtiges Vitamin bei der Blutgerinnung. Wenn du davon einen Mangel hast, kann es mal schneller bluten! Der Mangel ist jedoch bei gesunden Menschen äußerst selten. Er wird durch chronische Erkrankungen des Verdauungssystems oder eine längere Antibiotika-Einnahme verursacht.

Zahnfleischentzündung oder Parodontitis? So erkennst du den Unterschied

Ernste Zahnfleischerkrankungen sind am Anfang kaum von einer leichten Zahnfleischentzündung zu unterscheiden, die Symptome sind dieselben. Erst wenn sie fortgeschritten sind, wackeln die Zähne und die Wurzeln liegen frei. Dann ist es oft zu spät, um Zähne zu retten. Deshalb lohnt es sich, die beiden Stufen zu kennen.

Unterschied zwischen Zahnfleischentzündung und Parodontitis erklärt

Gingivitis: die Zahnfleischentzündung

Gesundes Zahnfleisch ist rosa, gut durchblutet und liegt fest am Zahn an. Bei einer Zahnfleischentzündung vermehren sich die Bakterien im Zahnbelag, das Immunsystem reagiert mit einer Entzündung: Bluten, Schwellung, Rötung. Wichtig: Nur das Zahnfleisch ist betroffen. Eine Gingivitis heilt mit gründlicher Pflege vollständig aus.

Parodontitis: die Zahnbettentzündung

Hier ist der ganze Zahnhalteapparat entzündet: Zahnfleisch, Knochen, Haltefasern und Wurzelzement. Die Entzündung wandert bis in den Kieferknochen und baut ihn ab. Tiefe Zahnfleischtaschen entstehen, das Zahnfleisch schwindet, Zähne werden locker. Verlorener Knochen kommt nicht zurück, deshalb muss eine Parodontitis in der Praxis behandelt werden.

Ob du eine Zahnfleisch- oder schon eine Zahnbettentzündung hast, kann nur der Zahnarzt herausfinden, indem er die Taschen misst. Alle zwei Jahre bezahlt die Krankenkasse dafür ein Schnell-Screening, den PSI. Nimm das wahr. Und: Eine gesunde Bakterienflora spielt auch im Mund eine Rolle. Ballaststoffreiche Ernährung und Probiotika unterstützen das Zahnfleisch.

Was tun bei Zahnfleischbluten? 5 Wege, es selbst zu stoppen

Wenn du dein Zahnfleischbluten effektiv behandeln willst, musst du die Ursache kennen und diese beseitigen! Keine Lust dafür zum Arzt zu gehen? Ok, ich versuche dir erst mal so zu helfen. Hier 5 Wege, die du ausprobieren kannst:

👉 Putze deine Zähne gründlicher!

Die häufigste Ursache von Zahnfleischbluten ist Zahnbelag! Viele machen den Fehler, dass sie, wenn das Zahnfleisch anfängt zu bluten, die Stelle schonen und beim Putzen auslassen. Das ist jedoch genau der falsche Weg! Putze die Stelle besonders gründlich: Zahnseide nicht vergessen! Achte nicht auf die Blutung, die ist nicht schlimm! Durch das regelmäßige gute Putzen wird die Blutung besser.

👉 Hör auf zu Rauchen!

Nicht immer ist Zahnbelag die Ursache für Zahnfleisch-Entzündungen. Rauchen erhöht, je nachdem wie viel geraucht wird, das Risiko für Zahnfleisch-Entzündungen um das bis zu 15-fache! Du putzt vorbildlich deine Zähne und dein Zahnfleisch blutet trotzdem? Rauchst du? Wenn du dein Zahnfleischbluten stoppen willst, musst du damit aufhören. Sorry für die harten Worte.

👉 Nimm mehr Vitamin K zu dir!

Hast du einen Vitamin K-Mangel, kann die Zufuhr dieses Vitamins dein Zahnfleischbluten lindern. Laut der deutschen Gesellschaft für Ernährung sollen Erwachsene 60 bis 80 Mikrogramm Vitamin K pro Tag zu sich nehmen. Hier einige Tipps zu Vitamin K-reichen Lebensmitteln:

  • Kohlgemüse: Blumenkohl, Broccoli, Rosenkohl, Chinakohl
  • Blattgemüse: Eisbergsalat, Mangold, Rucola, Spinat
  • Hülsenfrüchte: Grüne Bohnen, Kichererbsen, weiße Bohnen

👉 Spüle deinen Mund mit Wasserstoffperoxid!

Du brauchst eine schnelle Lösung? Spüle deinen Mund mit einer Wasserstoffperoxid-Mundspülung. 3%iges Wasserstoffperoxid kannst du verschreibungsfrei in der Apotheke kaufen. Es wirkt blutstillend und tötet zudem Bakterien ab.

👉 Drücke eine kalte Kompresse auf die Blutung!

Noch eine schnelle Lösung gewünscht? Abdrücken einer Blutung ist immer die beste Methode, diese zu stillen! Wenn deine Kompresse etwas kalt ist, ziehen sich durch die Kälte die Blutgefäße zusammen. Dies unterstützt die Blutstillung zusätzlich. Nimm jedoch bitte kein Eis! Kaltes Wasser genügt. Sonst schädigst du durch zu viel Kälte dein Zahnfleisch.

Welche Zahnpasta und Zahnbürste bei Zahnfleischbluten?

Es gibt keine Zahnpasta, die Zahnfleischbluten heilt. Entscheidend ist, dass der Belag am Zahnfleischrand wegkommt, und das schafft nur die Bürste. Eine elektrische Zahnbürste mit weichem Bürstenkopf reinigt den Zahnfleischrand gründlicher als eine Handzahnbürste, ohne dass du drücken musst. Dazu jeden Tag Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen: Zwischen den Zähnen fängt das Bluten meistens an.

Die Zahnpasta sollte Fluorid enthalten (1450 ppm), alles andere ist Geschmackssache. Pasten „für das Zahnfleisch" mit Kräutern oder Zink schaden nicht, ersetzen aber keine Zahnseide. Eine Mundspülung mit Chlorhexidin hilft kurzfristig bei starker Entzündung, verfärbt aber die Zähne und gehört nicht in die Dauerroutine.

Achtung! Wann du unbedingt zum Arzt gehen solltest

Du hast besser geputzt, mit dem Rauchen aufgehört, gesünder gegessen und dein Zahnfleisch blutet trotzdem? Bemerkst du nach 7 bis 10 Tagen keine Verbesserung, dann geh zum Arzt! Der Zahnarzt schaut, ob du eine Zahnfleisch-Erkrankung hast, die nur durch eine Behandlung verbessert werden kann. Der Hausarzt kann durch eine Blutabnahme prüfen, ob ein Vitamin-Mangel oder eine ernstere Erkrankung dahinter steckt.

Wenn du schwanger bist und dein Zahnfleisch blutet, dann geh direkt zum Zahnarzt, denn dein Risiko für eine ernsthaftere Zahnfleischerkrankung ist stark erhöht! Infos dazu kannst du hier nachlesen.

Häufige Fragen

Was tun bei Zahnfleischbluten?

Die blutende Stelle besonders gründlich putzen und Zahnseide benutzen, nicht schonen. Dazu nicht rauchen, Vitamin-K-reich essen (Kohl, Blattgemüse, Hülsenfrüchte), mit 3-prozentigem Wasserstoffperoxid spülen und eine kühle Kompresse aufdrücken.

Warum blutet mein Zahnfleisch beim Putzen?

Meist wegen einer Zahnfleischentzündung durch Zahnbelag. Weitere Ursachen sind scharfe Ränder von Füllungen oder Zahnersatz, Piercings, Schwangerschaft, Vitamin-K-Mangel und selten Gerinnungsstörungen.

Wann muss ich mit Zahnfleischbluten zum Arzt?

Wenn nach 7 bis 10 Tagen gründlicher Pflege keine Besserung eintritt. Der Zahnarzt prüft auf Zahnfleischerkrankungen, der Hausarzt per Blutbild auf Mangel oder Gerinnungsstörung. Schwangere sollten direkt zum Zahnarzt.

Welche Zahnpasta bei Zahnfleischbluten?

Wichtiger als die Zahnpasta ist die Technik: gründlich, aber ohne Druck, und täglich Zahnseide. Eine fluoridhaltige Zahnpasta reicht. Aggressive Mundspülungen sind nicht nötig.

Was ist der Unterschied zwischen Gingivitis und Parodontitis?

Gingivitis betrifft nur das Zahnfleisch und ist durch gründliche Zahnpflege umkehrbar. Parodontitis betrifft Zahnfleisch, Knochen, Haltefasern und Wurzelzement, baut Knochen ab und braucht eine Behandlung in der Praxis.

Wie erkenne ich eine Parodontitis?

Anfangs kaum, die Symptome gleichen einer Zahnfleischentzündung. Später bilden sich tiefe Taschen, das Zahnfleisch schwindet und Zähne werden locker. Der Zahnarzt misst die Taschentiefe, das PSI-Screening zahlt die Kasse alle zwei Jahre.

Quellen

  1. Rauchen und Mundgesundheit (Deutsches Krebsforschungszentrum)
  2. Referenzwerte Vitamin K (Deutsche Gesellschaft für Ernährung)
  3. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie: Patienteninformationen (DG PARO)

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