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Tina Mandel
Dr. Tina Mandel
22. August 2025
Drei mit bunten Flüssigkeiten gefüllte Spritzen stecken in einem roten Apfel

Karies natürlich heilen? Was wirklich geht

4
min Lesezeit
Zahn-Hacks

Medizinisch geprüft von Dr. Tina Mandel, Fachzahnärztin für Oralchirurgie Stand: 9. September 2026

Kurz gesagtKaries lässt sich nur im Anfangsstadium heilen: Ist die Oberfläche noch intakt und zeigt weiße oder braune Flecken, baut hochkonzentriertes Fluorid den Schmelz wieder auf. Etwas weiter hilft die Kariesinfiltration ohne Bohren. Sobald ein Loch da ist, muss gebohrt und gefüllt werden. Hausmittel wachsen keine Zahnsubstanz nach.

Inhalt dieses Artikels
  1. Keiner mag Bohren
  2. Was ist eigentlich Karies?
  3. Wie wird Karies behandelt?
  4. Kann man Karies natürlich heilen?
  5. Häufige Fragen
  6. Quellen

Keiner mag Bohren

Wovor graut es dir, wenn du an deinen nächsten Zahnarzt-Besuch denkst? Ist es das nette Lächeln deiner Zahnärztin oder der Geruch nach Desinfektionsmittel? Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich schiebst du den nächsten Zahnarzt-Besuch vor dir her, weil du keine Lust auf das allzu bekannte unangenehm hohe Bohrer-Geräusch hast. Und das eigentliche Problem ist wahrscheinlich nicht das Geräusch. Nur 20% der Deutschen haben keine Angst vor dem Bohren beim Zahnarzt.

Der Zahnarzt greift immer zum Bohrer, wenn du eine Karies hast, die ein Loch im Zahn verursacht hat. Entsprechend schlüssig ist die Frage: Muss das sein? Da muss es doch heute im modernen Zeitalter der Medizin was besseres geben, oder? Kann man Karies natürlich heilen?

Um zu verstehen, wie Karies geheilt werden kann, müssen wir uns erstmal anschauen, was Karies eigentlich ist.

Was ist eigentlich Karies?

Bakterien-Säuren führen zu Karies

Karies ist die Zerstörung der Zahnhartsubstanz. Aber wie macht die Karies das eigentlich?

Es braucht vier Dinge, damit Karies entsteht:

1)   Einen Zahn (ist klar),

2)   Bakterien (unser Hauptakteur: Streptococcus mutans),

3)   Nahrung für die Bakterien (drei Mal darfst Du raten, was ein Herr S. mutans gerne isst? Richtig: Zucker. Oder auf schlau: Niedermolekulare Kohlenhydrate)

4)   und Zeit.

Ja und jetzt? Frisst etwa Herr S. mutans den Zahn auf? Nein. Eigentlich kann dieser gar nichts dafür. Er lässt sich den Süßkram nur genauso schmecken, wie wir es tun. Nur scheidet er als Verdauungsprodukt Säuren aus. Der Zahn besteht zu 95% aus Mineralien, vor allem Kalzium. Weißt du, wie man einen Wasserkocher entkalkt? Genau, mit Säure. Und wieso? Genau, weil Säure Kalzium löst. Wenn nun Herr S. mutans nach dem Festmahl seine Säuren auf unserem schönen Zahn ablässt, lösen diese Säuren das Kalzium aus dem Zahnschmelz raus. Und wenn ein Zückerli nach dem anderen auf Herr S. mutans‘ Teller landet, produziert er immer und immer mehr Säure, die das Kalzium auflösen, bis wir ein Loch im Zahn haben.

Wie wird Karies behandelt?

Karies ist also ein langsamer Prozess der Zahn-Auflösung. Entsprechend gibt es mehrere Stadien von Karies. Diese werden jeweils unterschiedlich behandelt.

  1. Initialkaries mit intakter Zahn-Oberfläche
  2. Initialkaries mit nicht mehr intakter Zahn-Oberfläche
  3. Mittlere Karies
  4. Schwere Karies

Was bedeuten die Behandlungen nun genau?

Remineralisierung durch Fluorid: OHNE BOHREN: Wenn die Oberfläche des Zahnes noch vollständig intakt ist und "nur" weiße oder braune Flecken zu sehen sind, kann Karies tatsächlich geheilt werden. Und zwar durch Fluorid! Fluorid hat die Eigenschaft, dass es in den Zahnschmelz wieder eingebaut wird und ihn sozusagen flickt. Der Zahnarzt gibt dafür ein Gel oder ein Lack mit hochkonzentriertem Fluorid auf die betroffene Stelle. Da eine leichte Auflösung des Zahnes bei jedem Essen passiert, ist Fluorid in Zahnpasta so wichtig!

Verhinderung weiterer Auflösung: OHNE BOHREN: Ist Die Auflösung des Schmelzes und Dentins schon etwas größer, aber liegt noch kein Loch im Zahn vor, so gibt es Methoden, die das Fortschreiten der Zahn-Auflösung stoppen können. Zum Einen gehört dazu Fluorid. Das reicht aber in dem Stadium nicht mehr ganz aus. Bei der so genannten "Karies-Infiltration" wird ein dünnfließender Kunststoff in den Zahn gegeben. Dieser heilt die Karies, ohne dass der Zahnarzt bohren muss.

Bohren und Füllen: Sobald ein Loch im Zahn ist, muss der Zahnarzt bohren. Dabei wird das kranke Zahn-Gewebe (alles, was weich ist) weggebohrt. Es gibt keine Selbstheilungskräfte oder natürliche Methode, die die fehlende Zahn-Substanz wieder nachwachsen lassen. Also muss die Zahn-Substanz, die nun weg ist, mittels einer Füllung ersetzt werden. Alles, was du zu Füllungen wissen musst, erfährst du in dem Artikel Die Geheimnisse einer Zahnfüllung: Was passiert nach der Behandlung. Viele Menschen assoziieren Karies immer mit Bohren, weil eine Karies oft festgestellt wird, wenn die Zahn-Substanz schon weggebrochen ist.

Kann man Karies natürlich heilen?

Ist damit gemeint, die Zahnsubstanz selbst wieder nachwachsen zu lassen? Mit speziellen Lebensmitteln oder anderen Stoffen Karies im Alleingang zuhause zu behandeln? Ich kann so viel dazu sagen: Wenn du deinen Zahn auf sicherem Wege retten willst, wähle eine Methode, bei der die Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist. Wie du siehst, heißt eine Kariesbehandlung nicht immer Bohren! Lass die Karies vom Zahnarzt behandeln, bevor sie so groß ist, dass gebohrt werden muss! Klingt logisch, oder? Und: Prävention ist die beste (und natürlichste) Medizin!

Wenn du wissen willst, wie du Karies verhindern kannst, dann lies doch den Artikel 8 Wege deine Zähne zu schützen!

Häufige Fragen

Kann sich Karies zurückbilden?

Ja, solange die Zahnoberfläche intakt ist und nur weiße oder braune Flecken zu sehen sind. Fluorid-Gel oder -Lack vom Zahnarzt baut den Schmelz dann wieder auf. Ein Loch im Zahn heilt nicht zurück.

Kann man Karies selbst behandeln?

Nein. Es gibt keine Selbstheilung und kein Lebensmittel, das fehlende Zahnsubstanz nachwachsen lässt. Vorbeugen kannst du selbst: Fluorid-Zahnpasta, wenig Zucker zwischendurch, gutes Putzen.

Was ist eine Kariesinfiltration?

Ein dünnflüssiger Kunststoff wird in die angelöste Stelle gegeben und stoppt das Fortschreiten der Karies, ohne dass gebohrt werden muss. Sie eignet sich, wenn die Auflösung schon größer ist, aber noch kein Loch vorliegt.

Wie entsteht Karies?

Bakterien wie Streptococcus mutans verstoffwechseln Zucker zu Säure. Die Säure löst Kalzium aus dem Zahnschmelz. Passiert das immer wieder, entsteht ein Loch. Nötig sind Zahn, Bakterien, Zucker und Zeit.

Quellen

  1. S2k-Leitlinie Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen, grundlegende Empfehlungen (083-001) (AWMF, DGZMK)
  2. S3-Leitlinie Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe (083-021) (AWMF, DGZMK)
  3. Karies und Parodontitis: Informationen für Patienten (Zahnärztekammer Nordrhein)

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