

Zahnen beim Baby: Wann Milchzähne kommen und was hilft
Medizinisch geprüft von Dr. Tina Mandel, Fachzahnärztin für Oralchirurgie Stand: 9. September 2026
Kurz gesagtDie meisten Babys bekommen mit etwa sechs Monaten den ersten Schneidezahn, nach zweieinhalb Jahren sind alle 20 Milchzähne da. Vorboten sind vermehrtes Speicheln, Kauen und Unruhe. Ab dem ersten Zahn zweimal täglich mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta putzen.
Inhalt dieses Artikels
- Milchzähne sind so süß, wenn nur das Zahnen nicht wäre
- Wann bekommen Babys Zähne? Die Reihenfolge der Milchzähne
- Wie erkenne ich, ob mein Baby zahnt? Die Vorboten und Beschwerden
- Was hilft Babys beim Zahnen?
- Die richtige Zahnpflege bei Milchzähnen
- Exkurs: Ist Fluorid wirklich schädlich?
- Häufige Fragen
- Quellen
Milchzähne sind so süß, wenn nur das Zahnen nicht wäre
Hast du vor Augen, wie dein Baby dich anlächelt? Dieses süße, zahnlose Grinsen von Ohr zu Ohr. 👶 Es ist das Schönste für dich, was es gibt, oder? Dein Baby beglückt dich nun seit ein paar Monaten. Doch wann genau wird dieses Lächeln noch süßer mit dem ersten kleinen Zähnchen? 🦷 Du hast bestimmt schon gehört, dass das Zahnen für dich und dein Baby eine anstrengende Phase sein kann. Fragst du dich, wie das Zahnen sich ankündigt, damit du dich darauf vorbereiten kannst? Und wie sollen die ersten Zähnchen gepflegt werden? Diese Fragen beantworte ich dir jetzt!
Wann bekommen Babys Zähne? Die Reihenfolge der Milchzähne
Dein Kind ist schon 7 Monate alt und es ist immer noch kein Zahn in Aussicht? Keine Sorge! Wann ein Baby zahnt, ist sehr individuell. Und alle Zahlen und Tabellen, die du finden kannst, sind Durchschnittswerte. Wenn dein Baby nicht im Durchschnitt liegt, ist das gar nicht schlimm! Dann kann dich dein Baby wenigstens nicht so früh beißen! 😉
Die meisten Kinder bekommen mit 6 Monaten ihre ersten Schneidezähnchen. Bis alle 20 Milchzähnchen da sind, vergehen 2,5 Jahre. Das Interessante dabei ist: Dein Baby bekommt Backenzähne, bevor es Eckzähne hat. Komisch, oder?
Die Tabelle gibt dir eine Übersicht, wann welche Milchzähne im Schnitt kommen:
- Mittlere Schneidezähne 5 bis 8 Monate
- Seitliche Schneidezähne 9 bis 12 Monate
- Eckzähne 16 bis 20 Monate
- Vordere Backenzähne 12 bis 16 Monate
- Hintere Backenzähne 20 bis 30 Monate
Wie erkenne ich, ob mein Baby zahnt? Die Vorboten und Beschwerden
Jetzt kennst du schon mal den Zeitraum des Zahnens und kannst dich emotional vorbereiten. 😁 Gibt es denn auch Anzeichen dafür, dass dein Baby bald zahnt? JA!
🦷 Dein Baby speichelt mehr als sonst
🦷 Dein Baby nagt und kaut viel auf Dingen herum
🦷 Dein Baby ist unruhiger als sonst
Und auf was muss ich mich einstellen? Geht es meinem Baby schlecht? Tatsächlich geht das Zahnen oft mit Beschwerden einher. Die Stiftung für Kindergesundheit gibt sogar an, dass die Wahrscheinlichkeit bei 70% liegt. Ein Mythos ist allerdings, dass dein Kind infektanfälliger durch das Zahnen ist! Oft geht gleichzeitig nur eine Entwicklungsphase einher, in der die Infektanfälligkeit höher ist.
Mögliche Beschwerden des Zahnens sind:
😕 Die Stelle, wo der Zahn kommt, entzündet sich leicht. Dadurch kann eine Wange gerötet sein und dein Baby reibt sich ständig das Ohr. Solange die Stelle entzündet ist, hat dein Baby nicht mehr so viel Appetit.
😕 Wie sieht das Zahnfleisch aus, wenn Babys zahnen? Sorgt dich ein komisch aussehendes Zahnfleisch? Keine Angst, das darf so sein. Das Zahnfleisch kann sich röten oder bläulich verfärben. Gelegentlich bildet über dem Zähnchen auch ein flüssigkeitsgefüllter Raum.
😕 Oft geht eine erhöhte Temperatur mit dem Zahnen einher. Dabei ist aber nicht das Zahnen die Ursache, sondern umgekehrt! Die Temperaturerhöhung beschleunigt die Stoffwechselvorgänge im Körper und löst so das Durchbrechen der Zähne oft erst aus. Ein Mythos ist auch, dass Zahnen Fieber auslöst. Die Temperatur steigt beim Zahnen nicht über 38°C!
😕 Vereinzelt bekommt dein Baby auch Erbrechen, Durchfall und Schnupfen.
Mach dir bewusst, dass die einhergehenden Beschwerden häufig und keine Zeichen von Krankheit sind. Das nimmt ein bisschen die Sorge, oder?
Was hilft Babys beim Zahnen?
Das Wichtigste vorweg: Zahnen ist keine Krankheit, und die meisten Beschwerden gehen mit etwas Zuwendung vorbei. Was sich bewährt hat:
👉 Kauen lassen. Ein Beißring aus dem Kühlschrank (nicht aus dem Gefrierfach, zu kalt schadet dem Zahnfleisch), ein kühler, feuchter Waschlappen oder ein Stück gekühlte Gurke unter Aufsicht. Der Druck auf das Zahnfleisch tut gut.
👉 Zahnfleisch massieren. Mit einem sauberen Finger oder einer weichen Silikon-Fingerzahnbürste sanft über die Stelle reiben, an der der Zahn kommt.
👉 Speichel abwischen. Viel Speichel reizt die Haut um den Mund. Regelmäßig trocken tupfen und eine Wundschutzcreme auftragen.
👉 Nähe. Ein zahnendes Baby will getragen werden und schläft schlechter. Das ist normal und geht vorbei.
Was du weglassen solltest: Bernsteinketten (keine belegte Wirkung, aber Erstickungs- und Strangulationsgefahr), Zahnungsgele mit Betäubungsmittel ohne Rücksprache und Honig auf dem Schnuller (Karies und für Babys unter einem Jahr Botulismus-Gefahr). Schmerzmittel wie Paracetamol nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt und in der Dosierung für das Gewicht deines Kindes. Bei Fieber über 38 Grad, anhaltendem Durchfall oder Erbrechen ist nicht das Zahnen schuld, dann zum Kinderarzt.
Die richtige Zahnpflege bei Milchzähnen
Wenn die Zähnchen dann nun da sind, wie musst du mit ihnen umgehen?
Die richtige Pflege ist ab dem ersten Zahn wichtig! Statistiken zeigen, dass über die Hälfte der Kinder in Deutschland Karies haben! Das kannst du hier nachlesen. Die Zahlen sind erschreckend, da Karies eine Krankheit ist, die zu 100% mit richtiger Pflege und Ernährung verhindert werden kann! Also, was musst du tun, wenn die ersten Zähnchen da sind?
👉 Putze die Zähne zwei Mal täglich mit einer Kinderzahnbürste! Ob du dabei eine manuelle oder elektrische Zahnbürste nimmst, ist dir überlassen. Beachte nur, dass du mit der Handzahnbürste auf die richtige Putztechnik achten musst.
👉 Wenn dein Kind groß genug ist, um die Zähne selbst zu putzen: Lass es einmal täglich selbst putzen. Das andere Mal solltest DU putzen, damit die Zahnpflege einmal täglich gründlich stattfindet!
👉 Benutze eine Kinderzahnpasta mit Fluorid! Das Fluorid spielt eine große Rolle. Studien zeigen, dass Zahnpasta ohne Fluorid kaum eine schützende Wirkung gegen Karies hat. Benutze ab dem ersten Zahn bis zum zweiten Lebensjahr eine Kinderzahnpasta mit einer Fluoridkonzentration von 500 ppm oder 1000 ppm (die Konzentration findest du auf der Rückseite der Tube). Vom zweiten bis sechsten Lebensjahr solltest du unbedingt eine Kinderzahnpasta mit 1000 ppm verwenden. Ab dem sechsten Lebensjahr kannst du bei deinem Kind Erwachsenen-Zahnpasta mit einer Konzentration von 1500 ppm verwenden.
Exkurs: Ist Fluorid wirklich schädlich?
Hast du Sorgen, weil du schon mal gehört hast, dass Fluorid giftig ist? Aktuell irren viele Falschaussagen im Netz umher. Fluorid kommt natürlicherweise im Körper vor und ist für den Organismus unabdingbar. Ja, ab einer bestimmten Dosis kann es Vergiftungserscheinungen verursachen. So wie JEDES andere Mineral im Körper auch. Wusstest du zum Beispiel, dass zu viel Kalium zu Herzrhythmus-Störungen führen kann? Propagieren wir jetzt, dass wir von Bananen (weil sie viel Kalium enthalten) sterben können? Die Dosen, ab der Fluorid schädlich ist, sind fast unmöglich zu erreichen. Diese Falschaussagen richten gesundheitlichen Schaden an, denn der Verzicht von Fluorid erhöht das Karies-Risiko drastisch! Fluorid ist bis zu einer bestimmten Dosis vollständig ungefährlich, das wurde durch viele Studien belegt. Jede offizielle Empfehlung, zum Beispiel die von der Bundeszahnärztkammer, spricht sich für Fluorid in Zahnpasten aus. Bei der empfohlenen Menge ist ebenso bereits berücksichtigt, dass Kinder Zahnpasta verschlucken. Es wird sogar, zusätzlich zu Fluorid in Zahnpasta, zu fluoridiertem Speisesalz geraten.
Jetzt solltest du perfekt auf das süße Milchzahn-Grinsen vorbereitet sein. 😊 Wenn du noch Fragen hast, schreib mir doch gerne an tina@dr-dentina.de!
Wusstest du eigentlich schon, dass du dein Kind nicht nach dem Essen die Zähne putzen sollte? Lies doch diesen Artikel, um mehr zu erfahren! 😊
Häufige Fragen
Wann bekommen Babys Zähne?
Im Schnitt kommen die mittleren Schneidezähne mit 5 bis 8 Monaten, die seitlichen mit 9 bis 12, die vorderen Backenzähne mit 12 bis 16, die Eckzähne mit 16 bis 20 und die hinteren Backenzähne mit 20 bis 30 Monaten. Abweichungen sind normal.
Woran erkenne ich, dass mein Baby zahnt?
Es speichelt mehr, kaut und nagt viel und ist unruhiger. Das Zahnfleisch kann sich röten oder bläulich verfärben, eine Wange ist gerötet, das Baby reibt sich das Ohr und hat weniger Appetit.
Bekommen Babys beim Zahnen Fieber?
Nein. Eine leicht erhöhte Temperatur bis 38 Grad ist möglich, sie löst den Durchbruch oft erst aus. Fieber über 38 Grad hat eine andere Ursache und gehört zum Kinderarzt.
Wie lange zahnt ein Baby pro Zahn?
Das ist individuell. Die Beschwerden treten auf, solange die Stelle entzündet ist, an der der Zahn durchbricht, meist einige Tage. Insgesamt vergehen bis zum vollständigen Milchgebiss etwa zweieinhalb Jahre.
Welche Zahnpasta für Babys und Kleinkinder?
Ab dem ersten Zahn eine Kinderzahnpasta mit 500 oder 1000 ppm Fluorid, vom zweiten bis sechsten Lebensjahr 1000 ppm, ab sechs Jahren Erwachsenenzahnpasta mit 1500 ppm. Zahnpasta ohne Fluorid schützt kaum vor Karies.
Was hilft Babys beim Zahnen?
Kühle Beißringe und Kauen lindern. Beschwerden sind bei rund 70 Prozent der Kinder normal und kein Zeichen von Krankheit. Bei hohem Fieber, anhaltendem Durchfall oder Erbrechen zum Kinderarzt.
Quellen
- Stiftung Kindergesundheit: Beschwerden beim Zahnen (Stiftung Kindergesundheit)
- Kinder haben häufiger Karies als bisher angenommen (Deutsches Ärzteblatt)
- Kinder- und Jugendzahnmedizin: Empfehlungen zu Fluorid und Zahnpflege (Bundeszahnärztekammer)
- S3-Leitlinie Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe (083-021) (AWMF, DGZMK)





